Fragen Sie den CIO eines IT-Unternehmens, wie viele Anwendungen im Netzwerk seiner Firma laufen, so wird er sich wahrscheinlich in 50 Prozent der Fälle verschätzen. Denn Fakt ist: mehr als zehnmal so viele Anwendungen kämpfen um die heiß begehrten Netzwerkressourcen als vermutet. Doch nur wer genau weiß, welche Anwendungen im Netzwerk wie viel Bandbreite verbrauchen, kann seine Netzwerkkosten effizient kontrollieren und die Leistungsfähigkeit der Applikationen sowie der damit verbundenen Geschäftsprozesse sichern.
In den letzten fünf Jahren ist die Anzahl und Vielfalt an Anwendungen, die Netzwerk- oder Internet-Ressourcen verbrauchen, explodiert. Eine akkurate Schätzung oder sogar Zählung ist schier unmöglich. So ermöglicht es das Web beispielswiese Nutzern, Anwendungen nach Wunsch herunterzuladen und zu installieren, wie etwa den RealPlayer für Internetradio oder Skype. Gleichzeitig nutzen sie Webanwendungen wie Twitter oder YouTube, die nicht einmal eine lokale Installation benötigen. Den meisten Nutzern ist dabei jedoch gar nicht bewusst, dass diese Tätigkeiten Einschränkungen bei der Bandbreite im Weitverkehrsnetz (WAN) mit sich bringen.
Beispiele aus dem Alltag
Beispiel Adobe Acrobat Reader: In der Standardkonfiguration überprüft die Anwendung permanent, ob neue Updates verfügbar sind und lädt diese gegebenenfalls für den Nutzer automatisch herunter - eine unnötige Verschwendung von Netzwerkressourcen.
Ein anderes Beispiel ist Apple iTunes: Die meisten Nutzer glauben, dass das Programm nur dann Netzwerk- oder Internetressourcen benötigt, wenn es sich mit dem iTunes-Store verbindet, Inhalte durchsucht oder herunterlädt. Tatsächlich aber benutzt iTunes Ressourcen nicht nur dabei, sondern etwa auch bei der regelmäßigen Suche nach verfügbaren Softwareupdates. Zudem versucht das Programm zum Beispiel, CD-Cover von Songs zu laden, die sich bereits in der Mediathek befinden, oder vom Anwender abonnierte Podcasts automatisch herunterzuladen. Außerdem kann iTunes Inhalte eines Rechners mit anderen Anwendern im Netzwerk teilen – eine Funktion, die beachtliche Ressourcen verschlingen kann.
iTunes steht dabei exemplarisch für das Verhalten vieler moderner Anwendungen. Tatsächlich sind reine Einzelanwendungen heutzutage extrem selten geworden. Anwendungen sind keine Inseln mehr: Je weiter die Anwendungsentwicklung fortschreitet, desto kollaborativer wird Software. Ziel und Zweck von Anwendungen wird zunehmend die Verbreitung von Informationen, die Versorgung mit essentiellen Daten, die Verbindung zu anderen Applikationen und Daten sowie die Interaktion mit anderen Nutzern.
Mehr Nutzer – weniger Bandbreite
In einem Netzwerk mit nur einem oder zwei Nutzern mag die rasante Zunahme an Anwendungen und die Verbindung der Applikationen untereinander von geringerer Bedeutung sein. Aber bei zehn-, 20-, 100- oder sogar 1.000-mal mehr Nutzern erwächst sich dies zu einem Problem wesentlich größeren Ausmaßes. Das betrifft besonders Unternehmensnetze. Denn typischerweise binden Unternehmen entfernte Niederlassungen per Standleitung oder über ein VPN an ihre Zentrale an. Über die meist nicht sehr breitbandigen Leitungen läuft dann der gesamte Internetverkehr der Außenstellen. Ferner sind Server häufig zentral in einem Rechenzentrum konsolidiert. Ist dies der Fall, so muss zusätzlich der Verkehr zwischen den entfernten Nutzern und dem zentralen Server durch das Nadelöhr WAN. Je mehr Nutzer jetzt auf diesen dünnen Verbindungen Freizeitanwendungen einsetzen, desto schwerer haben es dort unternehmensrelevante Anwendungen. Dies wiederum führt zu einem Phänomen, das viele Anwender kennen: langsame Anwendungen!
Transparenz bringt Wissen
Unternehmen versuchen dann oft als erste Reaktion, stockende Anwendungen mit mehr Bandbreite zu beschleunigen – was meist nicht funktioniert. Denn im besten Fall beschleunigen sie dadurch die Freizeitanwendungen in gleichem Maße mit. Der Schlüssel zur Lösung dieses Problems heißt daher Anwendungstransparenz. Das bedeutet, Unternehmen benötigen intelligente Instrumente, die möglichst viele Anwendungen erkennen, die jeden Tag über das Firmennetz laufen. Denn nur dann können Unternehmen sehen, welchen Anteil geschäftskritische Anwendungen daran haben und wie viel Bandbreite Anwendungen verschlingen, die eher der Entspannung dienen wie iTunes.
Erst die Transparenz im Netzverkehr ermöglicht es Unternehmen, den Datenverkehr von Anwendungen individuell zu kontrollieren und zu steuern. So lasse sich dann gezielt unternehmenskritische Anwendungen beschleunigen, prioritär behandeln und man kann ihnen sogar bestimmte Bandbreiten zuweisen. Gleichzeitig können Unternehmen Freizeitanwendungen ausbremsen, ganz blockieren oder zum Beispiel auf Mittagspausen beschränken – ganz nach den Internetnutzungsrichtlinien im Unternehmen. Auch Malware und Schadcode lassen sich so frühzeitig erkennen, ausbremsen und mit entsprechenden Sicherheitsprogrammen stoppen.
Fazit
Nur mit Einblick in den Datenverkehr und einem umfassenden Verständnis der Anwendungen können IT- und Netzwerkmanager produktive Entscheidungen treffen und den Verkehr in ihrem Netzwerk effektiv verwalten. Und nur mit Transparenz im Netzwerk können sie ihre Internetnutzungs- und Sicherheitsrichtlinien tatsächlich durchsetzen. Gleichzeitig stellen sie so sicher, dass unternehmenskritische Anwendungen jederzeit die notwendige Bandbreite erhalten und dass Freizeitanwendungen ebenso wie Schadcode nicht noch auf Unternehmenskosten beschleunigt werden.